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Kein Bergmann aus Berufung, aber mit Leidenschaft

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Eine Multimedia-Reportage von Martin Gruse (Text) und Jürgen Peperhowe (Fotos)

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„Nummer 698, dies war mein Platz.“ Dirk Knappczyk steht in der Schwarzkaue von Zeche Ewald und muss schlucken. Ein ganzes Berufsleben und vieles mehr formt sich in seinem Kopf zu Bildern und Tönen.

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Auf „Ewald“ in Herten hat der 51-Jährige als Bergmann gearbeitet. Immer wieder zieht es ihn zum ehemaligen Zechengelände. 19 Jahre lang begann hier seine Schicht, jeden Morgen um 5 Uhr. Bergmannskluft anlegen, die „zivile Kleidung“ im Püngel nach oben ziehen.

Dann Lampe, Filter, Wasserflasche und vieles mehr umschnallen – sieben bis acht Kilo kamen da zusammen – und unter Tage fahren.

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Dirk Knappczyk hat nicht oft die Gelegenheit, in die Waschkaue zurückzukehren. Denn sie ist nicht mehr so ohne weiteres zugänglich. Umso stärker berührt ihn dieser Besuch: „Ich würde mich hier immer noch blind zurechtfinden, könnte mich umziehen und direkt wieder anfangen. Die Handgriffe beherrsche ich alle noch.“

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Dabei ist diese Tätigkeit dem 51-Jährigen nicht in die Wiege gelegt worden. Zum Abschluss der Schulzeit 1983 brachte er verschiedene Bewerbungen auf den Weg, stellte dann aber rechtzeitig fest, dass ein Job bei einer Krankenkasse oder Bank doch zu viel Bürokram für ihn wäre. Für Technik konnte der junge Mann sich mehr begeistern. Und da lag in seinem Heimatort Herten eine Ausbildung ganz nahe: Bergmechaniker auf Zeche Ewald.

Dabei hatte er nur wenige Berührungspunkte zum Bergbau, ganz anders als es bei seinen späteren Kollegen der Fall war. In seiner Familie gab es keine Tradition, unbedingt diesen Beruf zu ergreifen. Nur sein Urgroßvater war ein echter Bergmann. Sein Vater hatte auf der Zeche zwar eine Lehre absolviert, sich danach aber einen anderen Arbeitgeber gesucht.

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Die Großmutter staunte nicht schlecht, als der 17-Jährige ihr erzählte, bald zu denen zu gehören, die die Steinkohle fördern. Schließlich hatte sie noch klar vor Augen, wie sich der kleine Dirk als Kind nie schmutzig machen wollte.

Die Oma wird nicht die einzige gewesen sein, die von der Entscheidung des jungen Mannes überrascht war. Ausgerechnet der, werden sich viele gedacht haben. Ein schmächtiges Kerlchen, das sich nicht gern dreckig macht. Tief unter der Erde wird das nicht funktionieren. Mal gucken, wie lange der es da unten wohl aushält.

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„Tatsächlich bin ich kein Bergmann aus Berufung wie manch anderer“, sagt er. „Erst im Laufe meines Berufslebens bin ich dazu geworden.“ Und dann mit Leidenschaft. Das wird ganz deutlich, wenn der 51-Jährige ins Erzählen kommt. Sehr emotional beschreibt er Bergbau, Bergmannsleben und Details seines früheren Arbeitsplatzes.

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1983 begann er die Ausbildung zum Bergmechaniker (Schlosser) auf „Ewald“ in Herten. Damals ein bedeutender Zechenstandstandort – rund 4.500 Menschen waren dort beschäftigt – der früher sogar zu den größten Europas gehörte.

Knappczyk kann sich noch an die langen Kolonnen von Bergleuten erinnern, die nach ihrer Schicht erstmal in die Stammkneipe gingen. Die sogenannten Abteufarbeiten, Anlegen von Tunneln und Schächten, hatten 1872 in Herten begonnen, die erste Kohle wurde 1876 gefördert. Dort arbeitete Knappczyk in verschiedenen untertägigen Bereichen bis zum Ende der Förderung im Jahr 1999.

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Da die Zeche Ewald ein Zusammenschluss von mehreren Bergwerken war, pendelte er je nach Bedarf zwischen verschiedenen Standorten: von der sogenannten steilen Lagerung auf Recklinghausen II nach Schlägel & Eisen, unternahm er anschließend einen kurzen Abstecher zum Bergwerk Consolidation in Gelsenkirchen und verbrachte dann einige Monate auf der Anlage Hugo (ebenfalls Gelsenkirchen), bis auch dort der Betrieb eingestellt wurde.

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Im Jahr 2000 wurde er zum Bergwerk Auguste Viktoria in Marl verlegt, danach zum Bergwerk Friedrich-Heinrich (Kamp-Lintfort). Wieder zehn Monate später rief das Bergwerk Lippe-Westerholt in Polsum. Dort war er bis 2008 tätig. Ab Ende 2008 führte sein Weg wieder zum Bergwerk Auguste Viktoria, wo er bis zu seinem Vorruhestand am 17. August 2015 beschäftigt war.

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32 Jahre hat der Junge, der sich nie schmutzig machen wollte, dann doch unter Tage verbracht. 1000 Meter und mehr unter der Erde. Wobei die ersten Monate sehr schwer für ihn waren. „Wie komme ich aus dieser Nummer bloß wieder raus“, habe er anfangs oft gedacht. Letztlich hat er sich durchgebissen.

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Die Althauer, die älteren Kollegen, haben ihm dabei geholfen. „Die haben sich um uns junge Leute sehr gekümmert.“ Knappczyk hat es sogar geschafft, in der Hierarchie voranzukommen: Kurz nach der Ausbildung übernahm er schon die Funktion eines „Rutschmanns“, über Tage würde man vielleicht Teamleiter sagen.

1995 wurde er Aufsichtshauer. Knappczyk hat sogar mit Freude im Bergbau gearbeitet. „Im Nachhinein überrascht mich das immer noch“, sagt er. Dennoch ist er ein Bergmann wie jeder andere, dieser Beruf hat sein Leben geprägt.

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