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Bochum - 41 Stunden unter Tage gefangen

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Eine Multimedia-Reportage von Ingo Otto (Fotos und Videos), Tom Geertman (Audio) und Gianna Schlosser (Text)

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Donnerstag, 16. Januar 1964. Der Tag beginnt frostig, minus zwei bis minus fünf Grad hat der Wetterbericht angesagt, es weht ein schwacher Wind.

600 Meter unter der Erde, auf Sohle 5, ist es vergleichsweise mild. 18 bis 20 Grad. Seit Stunden schon harren sieben Bergleute hier aus. Vor ihnen eine meterdicke Geröllschicht, hinter ihnen 200 Meter freie Strecke - aber ohne Ausweg.

Die Stimmung der Eingeschlossenen sei „ausgezeichnet“, hat ein Bergmann die Presse am Vorabend wissen lassen.

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Manfred Vieting, ein junger Bochumer von 26 Jahren, ist einer von ihnen.

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Erst wenige Monate arbeitet er auf der Castrop-Rauxeler Zeche Erin, als ihn und einen Kumpel kurz vor Schichtende ein unheilvolles Knacken aufschreckt.

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Die alte Geschichte – Manfred Vieting, heute 81, hat sie zigmal erzählt. Und erzählt sie ein weiteres Mal in seinem Wohnzimmer in Bochum-Langendreer.

Was den Zeitungen in jenen Tagen mehrere Artikel wert war, ist für ihn nur eine von vielen Anekdoten. Ist eben passiert.

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Angst ist in dieser Situation Vietings geringstes Problem.

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Am nächsten Tag wird die Zeitung die Namen der Bergleute abdrucken, wird beschreiben, wie sie sich am frühen Morgen von ihren Ehefrauen verabschieden, „nach der Kaffeepulle greifen“, noch einmal in das Zimmer der schlafenden Töchter blicken und hinausgehen „in den frostkalten Morgen“.

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Ein Vorgehen, das nicht mit der Bergbehörde abgesprochen war und deshalb später zu Vorwürfen gegen die Zechenleitung führen und eine parlamentarische Untersuchungskommission beschäftigen wird.

Doch davon wissen die eingeschlossenen Bergleute nichts, während sie sich die Zeit mit Kartenspielen und Schlafen vertreiben.

Durch eine aufgehauene Rohrleitung bekommen sie Nahrung und Getränke. Die Zeitung notiert: 7.30 Uhr: Kaffee und Brot. 9.30 Uhr: mit Ei überbackenes Kalbfleisch. 13 Uhr: leicht gebratenes Tatar, Blumenkohl, Kartoffelpüree, Tee und Kognak. 16 Uhr: Fruchtsaft. 19 Uhr: Abendessen nach Wunsch.

Die Speisenfolge haben der Werksarzt Dr. Kreftig und Prof. Fritze vom Bergmannsheil festgelegt.

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Ein Kumpel sei nach dem Unglück nicht wieder angefahren, meint sich Manfred Vieting zu erinnern.


Für ihn aber geht es danach erst richtig los im Bergbau – noch 29 Jahre wird er unter Tage schuften, fünf davon nur auf Nachtschicht: Morgens um neun, halb zehn zu Hause, Frühstück, „Pulle Bier getrunken“, Rollladen runter, „Schelle aus und ins Bett“. Mittags noch ein Bier, wieder ins Bett und abends mit den anderen zur Schicht.

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Und doch: Ohne zu zögern würde Manfred Vieting, 81 Jahre alt, silicosekrank und kaputte Knochen von der Arbeit, wieder anfahren. 

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Am Morgen des 17. Januar 1964,
41 Stunden nach dem Unglück, werden die sieben eingeschlossenen Bergleute befreit.

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In Decken gehüllt grinsen und winken die befreiten Bergmänner in Richtung des Zeitungsfotografen.

Die Zeitung druckt das Bild auf der Titelseite ihrer Samstagsausgabe. Der Wetterbericht kündigt einen heiteren Tag an.

Und eine weitere kleine Meldung, eine Randnotiz nur, teilt mit: „Neues Grubenunglück fordert zwei Tote.“

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Konzept und Koordination: Linda Heinrichkeit, Ralf Laskowski, Johannes Pusch, Gianna Schlosser

Redaktionelle Umsetzung: Linda Heinrichkeit, Daniel Helbig, Johannes Pusch, Gianna Schlosser

Mitarbeit: Andrea Donat, Ingo Knosowski, Oliver Schäfer, Dana Schmies, Philipp Wahl

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Donnerstag, 16. Januar 1964. Der Tag beginnt frostig, minus zwei bis minus fünf Grad hat der Wetterbericht angesagt, es weht ein schwacher Wind.
Auf Sohle 5, 600 Meter unter der Erde, ist es mild, 18 bis 20 Grad. Sieben Bergmänner harren hier seit Stunden aus: vor ihnen eine meterdicke Geröllschicht, hinter ihnen 200 Meter freie Strecke ohne Ausweg.

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