Hinweis

Für dieses multimediale Reportage-Format nutzen wir neben Texten und Fotos auch Audios und Videos. Daher sollten die Lautsprecher des Systems eingeschaltet sein.

Mit dem Mausrad oder den Pfeiltasten auf der Tastatur wird die jeweils nächste Kapitelseite aufgerufen.

Durch Wischen wird die jeweils nächste Kapitelseite aufgerufen.

Los geht's

Bottrop - Pauken für die Stollen

Logo https://story.funkemediennrw.de/bottrop-pauken-fur-die-stollen
Willi Stenmanns im Profil aufgenommen.

Eine Multimedia-Reportage von Thomas Gödde (Fotos), Tobias Hauswurz (Audio) und Kai Süselbeck (Text)

Zum Anfang
Willi Stennmanns im Portrait während des Interviews.

Als einer der dienstältesten Bergberufsschullehrer hat Willi Stenmans den langen Niedergang des Bergbaus seit der Kohlekrise ab 1958 bis zu seiner Pensionierung 1999 miterlebt.

2015 wurden die Berufskollegs West in Duisburg und Ost in Bergkamen geschlossen, im Sommer folgte das Kolleg Mitte in Recklinghausen. Blickt Stenmans also auf eine deprimierende Zeit des Niedergangs zurück? „Unsinn“, sagt er im Rückblick auf sein Berufsleben. „Es war eine spannende Zeit, und ich habe immer wieder viel Glück gehabt.“

Zum Anfang
Eine historische Aufnahme der Bottroper Zeche Rheinbaben.

war so ein Glücksfall für den 1939 in der Bottroper Rheinbaben-Kolonie geborenen Willi Stennmans. Die Volksschullehrerin Goldstein hatte den Eltern Stennmans zum Abschluss der Grundschule kategorisch verkündigt: „Der Junge muss weiter.“

Also durfte der junge Willi die Aufnahmeprüfung zur Oberschule machen und baute sein Abitur 1959 am Jungengymnasium, heute das Bottroper Kulturzentrum in der Innenstadt. „Wir waren die ersten Wehrpflichtigen“, erinnert er sich. Von 25 Schülern gingen 20 zum Bund.“

Zum Anfang
Ein Eingangstor zur Zeche Prosper-Haniel. Im Hintergrund eine "Kohlekathedrale"

Stenmans Berufswahl stand früh fest: Etwas mit Bergbau sollte es sein, obwohl 1958 die ersten Zechenschließungen dunkle Schatten warfen.

Die wurden entschieden weggeblinzelt, erinnert er sich: „Der Kohlenpott ohne Bergbau- das war einfach nicht vorstellbar.“ Also studierte Stenmanns nach der Bundeswehrzeit Maschinenbautechnik an der TH Aachen, schluckte den ersten Kohlenstaub auf Haniel in Oberhausen und natürlich auf Rheinbaben in Bottrop, wo auch seine Onkel malochten, und setzte 1964 das Studium des erst wenige Jahre zuvor eingeführten Fachs Gewerbelehramt drauf.

Zum Anfang
Die Bergberufsschule Rheinbaben im Jahre 1963.

Als noch fast jede Zeche ihre eigene Bergberufsschule hatte, unterrichtete er Berg- und Maschinentechnik, Politik, darstellende Geometrie und Sport. Er erlebte die Konzentration der Berufsschule auf drei zentrale Einheiten, die Einführung der Fachoberschule und, für ihn ein weiterer Glücksfall, die Schulreformen der 1980er Jahre:

„Das gab den Lehrern Freiheiten für einen weniger theorielastigen Unterricht und die Abkehr vom Dozentenum.“ Was das für ihn heißt, zeigt die Arbeitsgemeinschaft zur Verschönerung des Schulhofes an Franz Haniel in Oberhausen-Königshardt. Die Bergberufsschüler haben nicht nur Sitzbänke geschreinert. „Wir haben einen kompletten Hühnerstall gebaut“ - und so zur Selbstversorgung der Schule beigetragen.

Zum Anfang
0:00
/
0:00
Audio jetzt starten
Hammer und Schlegel auf einer Plakette am Tor von Prosper-Haniel.
Zum Anfang
Drei Generationen von Schulleitern der Bergberufsschule West: Das Bild zeigt  sitzend v. lks Gerhard von Kügelgen Willi Stennmans Helmut Schöngarth stehend v. lks Reinhold Evers Wilfried Thomas. Das Foto entstand 1990 bei der Vorstellung der Chronik "Bergmännische Berufsschule im westlichen Ruhrgebiet".

1990 wurde Stennmans, noch ein Glücksfall, Leiter der Bergbau-Berufsschule West mit damals noch 2000 Schülern in Duisburg-Hamborn, Moers und Kamp-Lintfort. „Da konnte ich noch mehr von den Vorstellungen umsetzen, die mir schon als Lehrer am Herzen gelegen haben.“

Zur gleichen Zeit machte das Land NRW aus den privaten Ersatzschulen öffentliche Schulen. Stenmanns erinnert sich: „Mein Dienstherr war der Kultusminister, meine Fachaufsicht das Oberbergamt und der Schulträger wurde die Deutsche Montan Technologie (DMT).“ Klingt nach komplizierten Entscheidungswegen, aber genau das Gegenteil war der Fall:

Zum Anfang

„Als Leiter einer Bergberufsschule war ich enorm frei.“

Beispiel gefällig? 1993 sollte seine Schule neben Bergmechanikern, Elektrikern, Elektronikern und Schlossern auch Eisenbahner ausbilden. „Da haben wir eine Modelleisenbahn durch zwei Klassenräume gebaut. 30 000 Mark hat das damals gekostet. Die konnte ich einfach aus meinem Etat nehmen. Die Jungs von Ruhrkohle Bahn und Häfen (RBH) und die Eisenbahner von Thyssen hatten sehr viel Spaß damit.“

Zum Anfang
Willi Stenmanns gestikuliert während des Interviews.




Stenmanns resümiert seine Dienstzeit im Rückblick: „Ich habe Glück gehabt, auch dies und das gekonnt und von guten Leuten gelernt.“ Und er hat seinen eigenen kleinen Sieg gefeiert im Kampf gegen den Niedergang des Bergbaus: Den Schulstandort Moers hat er gegen Schließungspläne verteidigt. So kam das Aus erst 2015.

Zum Anfang

Konzept und Koordination: Linda Heinrichkeit, Ralf Laskowski, Johannes Pusch, Gianna Schlosser

Redaktionelle Umsetzung: Linda Heinrichkeit, Daniel Helbig, Johannes Pusch, Gianna Schlosser

Mitarbeit: Andrea Donat, Ingo Knosowski, Oliver Schäfer, Dana Schmies, Philipp Wahl

Zum Anfang
Scrollen, um weiterzulesen
Wischen, um Text einzublenden