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Gelsenkirchen - Für die Kohle nach Almanya

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Eine Multimedia-Reportage von Olaf Ziegler (Fotos und Videos), Nadine Bonengel (Audio) und Inge Ansahl (Text)

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An einem entscheidenden Punkt seines jungen Lebens hat Mikail Zopi sein Licht weit unter den Scheffel gestellt. Er besuchte das Gymnasium in Kars, einer Kreisstadt in Ostanatolien, malochte dort in den Ferien auf dem Bau.

Und sah eines schönen Tages im Vorbeigehen diesen handschriftlichen Aushang am Arbeitsamt: „Lehrlinge für Deutschland gesucht.“

Ah, Almanya! Das gelobte Land, in dem man gutes Geld verdienen konnte, so wie Mikails Onkel, der Bergmann.

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Zunächst hatte der schüchterne 16-Jährige nämlich von einem Angestellten des Arbeitsamts eine freundlich gemeinte Abfuhr kassiert. „Mein Sohn, geh’ du weiter aufs Gymnasium.“

Zopis Interpretation: „Die wollten wohl die Intelligenz im Land behalten.“ Mikails Vater schaltete einen Bekannten ein und so bekam der junge Mann das Original-Abschlusszeugnis „nur“ der Mittelschule auf Umwegen.

Damit ließ man ihn ziehen.

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Ende August 1971 fuhren Vater und Sohn also mit dem Bus nach Istanbul, wo hunderte erwachsener und junger Türken um ein Ticket für Almanya kämpften.

„Im Auftrag der deutschen Wirtschaft wurde geprüft, ob die Bewerber gesund sind und lesen, schreiben und rechnen können.“ Auch, wer sich wie Mikail als Berglehrling beworben hatte, musste eine schriftliche Prüfung ablegen. 

Er bekam sein Ticket und flog am 31. August mit rund 180 anderen jungen Türken nach Düsseldorf. Mit dem Bus ging es weiter ins Jugenddorf Oberaden in Bergkamen.

In so einem modernen, sauber aufgeräumten Zimmer hatte der Junge aus dem 300-Seelen-Dorf Gediksatılmış nahe der armenischen Grenze noch nie geschlafen. „Alles top.“ Und dann erst der Speisesaal mit Parkettboden und weißen Stoffdecken auf den Tischen ...




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Seinen Deutschlehrer Heinz Schwarz nennt er „Vati“. „Der kam sogar am Wochenende und hat uns die Sprache beigebracht."

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Eine besonders schmerzliche Erinnerung aus dieser Zeit wühlt Mikail Zopi indes bis heute auf:

„Der 5. März 1973 war für mich der schlimmste Tag meines Lebens.“ Sein bester Freund Ahmet und er setzten im Streb Hydraulikstempel um.

Ahmet, noch keine 18 Jahre alt, wurde gegen einen Stempel gedrückt. Er starb wenige Meter von Mikail entfernt.

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Mikail Zopi und seine jungen Kollegen bekamen im Juni 1974 ihre Knappenbriefe. „Fast alle haben gleichzeitig einen unbefristeten Arbeitsvertrag bekommen und auf der Zeche mindestens zwei Jahre gearbeitet“, erzählt er.

Zopi verschlug’s nach Grimberg ¾ in Bergkamen-Weddinghofen und wurde dort von seinem Reviersteiger zur Nachtschicht eingeteilt. Nicht schön, aber der Neue fügte sich.

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Mikail Zopi und sein Freund Halil waren bei der Betriebsratswahl im März 1975 auf Grimberg ¾ die ersten türkischen Kandidaten.

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Der Vater dreier erwachsener Kinder musste 2005 aus gesundheitlichen Gründen die Arbeit aufgegeben.

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Wenn auf Schalke das Steigerlied angestimmt wird, hat es für Mikail Zopi eine besondere Bedeutung.

Er sagt: „Dieser Solidaritätsgedanke, die Unterstützung und der Zusammenhalt unter Tage sind Werte, die erhalten bleiben müssen!“

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Konzept und Koordination: Linda Heinrichkeit, Ralf Laskowski, Johannes Pusch, Gianna Schlosser

Redaktionelle Umsetzung: Linda Heinrichkeit, Daniel Helbig, Johannes Pusch, Gianna Schlosser

Mitarbeit: Andrea Donat, Ingo Knosowski, Oliver Schäfer, Dana Schmies, Philipp Wahl

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