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Gladbeck - Aus der Türkei zu Prosper Haniel

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Eine Multimedia-Reportage von Tabea Beissert (Videos und Text), Vanessa Winkel (Audio) und Lutz von Staegmann (Fotos)

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Wie Muzaffer Subasi aus Gladbeck sich fühlen wird, wenn er im Dezember zum allerletzten Mal auf Prosper Haniel ausfahren wird – das kann er noch gar nicht einschätzen.

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Dass er aber gerne unter Tage malocht, als Vorarbeiter in der Herrichtung, das weiß der dreifache Familienvater genau. „Ich bin immer mit 90 Prozent Lust zur Schicht gekommen – seit 29 Jahren.“

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Muzaffer Subasi kommt als Zwölfjähriger mit seinen Eltern und Geschwistern aus der Türkei.

Der Vater, der auch schon in seinem Heimatland Bergmann war, findet im Ruhrgebiet Arbeit, beginnt 1969 auf Zeche Hugo in Buer, holt einige Jahre später seine Familie nach.

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Subasi, der aus einer fremden Welt nach Deutschland kam, fand sich schnell ein. Nach dem Hauptschulabschluss machte er eine Ausbildung zum Bau- und Stahlbauschlosser, arbeitete zunächst bei einer Metallbaufirma.

Aber den jungen Mann zog es unter Tage. Wie sein Vater begann er auf Hugo, arbeitete auf Consol in Gelsenkirchen und Fürst Leopold in Dorsten, bis er schließlich in Kirchhellen landete.

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Seine Eltern wohnen heute sieben Monate im Jahr in Gladbeck, den Rest der Zeit in der Türkei. „Mein Vater hat Asthma, das Klima an der Schwarzmeerküste bekommt ihm gut.“

Auch die Knie seines Vaters sind kaputt. Kaputt von der Maloche unter Tage. Denn damals, als sein Vater noch unter Tage schuftete, waren die Bedingungen anders als heute. „Die Leistung zählte. Nur wenn die Zeche viel Kohle förderte, konnte sie bestehen bleiben.“

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Was ihn beeindruckt, ist die Hilfsbereitschaft unter den Kumpeln. „Die Zeche ist ein richtiger Familienbetrieb.“ Der kleine, kräftige Mann schätzt, dass der Anspruch im Bergbau anders ist, als in der freien Wirtschaft.

„Wenn im Bergbau jemand in einem bestimmten Bereich nicht zurecht kommt, kann er woanders arbeiten, sei es als Fensterputzer. Gekündigt wird ihm nicht, jeder wird entsprechend seinen Fähigkeiten eingesetzt.“ Und: Wenn unter Tage jemand Schwierigkeiten hat, etwas zu lesen, lesen die Kumpel es ihm vor. „Das ist super.“

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Und auch Muzaffer Subasi selbst hilft, wo er kann.

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Fremd gefühlt – das hat sich Subasi nie. Und unter Tage, da sind sowieso alle Männer gleich. „Unter Tage reden wir auch nicht über Religion“, sagt der gläubige Moslem. Und trotzdem: Der Betriebsrat hatte durchgesetzt, dass ein kleiner Gebetsraum auf der Zeche eingerichtet wird.

Beten unter Tage – unmöglich. „Das hätte für die anderen Kumpel Nachteile, die in der Zeit weiterschuften müssten.“ Der 48-Jährige geht abends in die Moschee zum Abendgebet. „Die anderen Gebete kann ich nachholen.“

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Auf Prosper Haniel ist er Vertrauensmann, steht zwischen Betriebsrat und der Mannschaft, vermittelt, wenn es Probleme gibt. „Es macht mir Spaß, mich zu engagieren. Ich möchte für die Gesellschaft da sein.“

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Damit Subasi, der die Welt unter Tage so sehr liebt, nach dem Aus der letzten Zeche im Ruhrgebiet nicht in ein tiefes Loch fällt, hat der 48-Jährige vorgesorgt.

Er engagiert sich für seine Heimatstadt Gladbeck. Hilft bei den jährlichen Wochen der Vielfalt, ist in der IGBCE-Ortsgruppe Mitte aktiv und zudem Vorstandsmitglied im Moscheeverein Ditib.

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Und es bleibt die Verbundenheit zu seiner Stadt, zu Gladbeck.

Dort wird er wohnen bleiben - auch wenn seine letzte Schicht zu Ende ist. 

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Konzept und Koordination: Linda Heinrichkeit, Ralf Laskowski, Johannes Pusch, Gianna Schlosser

Redaktionelle Umsetzung: Linda Heinrichkeit, Daniel Helbig, Johannes Pusch, Gianna Schlosser

Mitarbeit: Andrea Donat, Ingo Knosowski, Oliver Schäfer, Dana Schmies, Philipp Wahl

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